10 Geheimnisse über Chinesisch Lernen, die Allgemeinwissen sein sollten

Chinesisch Lernen Geheimnisse

Chinesisch Lernen gilt als eines der schwierigsten Dinge der Welt. Ob der Ruf gerecht ist, lässt sich diskutieren. Wir sind in einer Zeit angekommen, in der jeder Mensch zumindest eine Grundvorstellung von der chinesischen Sprache haben sollte. Denn auch wenn Du jetzt immer noch nichts mit China zu tun hast, weißt Du nicht, wann das passieren wird.
Mit diesem Artikel bekommst Du schnell einen Überblick darüber, wie die chinesische Sprache funktioniert. Und damit wirst Du peinliche Fragen vermeiden können, wie z.B.: Wie viele Buchstaben gibt es in Chinesisch?

Für diejenigen, die wenig Zeit haben, haben wir eine kurze Zusammenfassung:

  1. Chinesisch besteht aus mehr Sprachen als nur Mandarin und Kantonesisch
  2. Es handelt sich um eine nicht alphabetische Sprache: Die Basis der Sprache sind Schriftzeichen.
  3. Chinesisch besteht aus zwei Sprachen: Eine Gesprochene und eine Geschriebene.
  4. Was Du als „Wortschatz“ kennst, gibt es in Chinesisch nicht.
  5. Chinesisch hat keine Grammatik – keine, die Du als Grammatik kennst.
  6. Plural und Singular sind Fremdwörter in Chinesisch
  7. Chinesisch funktioniert grundsätzlich wie Lego Steine. Nach der indogermanischen Sprachlogik ist Chinesisch eine Babysprache
  8. Die Komplexität der Sprache drückt sich mit komplizierten Wörtern / Zeichen aus, nicht mit komplizierten Sätzen.
  9. Jede/r kann beliebig neue Wörter erfinden, das Wichtigste dabei: Ohne Regeln!
  10. Die absolute Korrektheit gibt es in Chinesisch meistens nicht

Lesezeit für diesen Artikel beträgt ca. 10 Minuten.

10 Geheimnisse über Chinesisch Lernen, die (eigentlich) Allgemeinwissen sind

Das „eigentlich“ habe ich hinzugefügt, und dann in Klammern gesetzt, weil ich der Meinung bin, dass diese 10 Fakten zwar noch nicht jeder kennt, aber jeder kennen sollte. 1/4 der Menschheit spricht und verwendet Chinesisch, und zwar völlig unabhängig davon, ob es ihre Muttersprache ist. Ob Du Dich jetzt schon entschieden hast, Chinesisch zu lernen, oder Du wolltest einfach nur etwas darüber erfahren, hilft Dir der Artikel auf alle Fälle, in manchem Sinn eine Verbindung zu den 1,4 Milliarden Menschen aufzubauen. Und nun verrate ich Dir endlich die 10 Geheimnisse übers Chinesisch Lernen:

Geheimnis Nr. 1: Chinesisch besteht aus mehr Sprachen als nur Mandarin und Kantonesisch

Chinesisch ist der Oberbegriff für alle möglichen Dialekte in Chinesisch, denn Kantonesisch ist auch „nur“ ein Dialekt, auch wenn viele es nicht wahrhaben wollen.

In Deutsch lässt es sich besonders gut erklären, da wir in Deutsch für alles ein gutes Beispiel finden.

Das „Mandarin“ ist „Hochchinesisch“, so wie das Hochdeutsch in Deutschland.
Nur ein feiner Unterschied liegt darin, dass in es China eine mündliche Prüfung fürs Hochchinesisch (Mandarin) gibt, während man in Deutschland nur eine vage Vorstellung hat, was Hochdeutsch ist. Für Lehrkräfte oder Fernseh- und Radio-Moderatoren gibt es in China staatliche Prüfungen und Zertifikate. Damit stellt man fest, ob das Hochchinesisch einer Person gut genug ist, um die entsprechende Tätigkeit auszuüben.

„Kantonesisch“ ist nur ein Dialekt, wie z.B. Bayerisch.
Von Großstädten wie Shanghai, Xiamen bis zu kleinen Städten, jede Stadt und Region hat eigene Dialekte. Diese variieren von ähnlich bis zu unmöglich zu verstehen. Aber alle schreiben gleich mit chinesische Schriftzeichen. Das funktioniert auch wie in Deutsch: Auch wenn es sehr unterschiedlich ausgesprochen wird, die Schrift bleibt gleich.
In der Sprachwelt ist es umstritten, was eine Sprache und was ein Dialekt ist. Aber um es Dir einfacher zu machen: Wenn Du denkst, dass Bayerisch eine andere Sprache ist, kannst Du auch Kantonesisch und andere Dialekte als mehrere Sprachen verstehen. Wenn Du glaubst, dass Bayerisch ein Dialekt ist, sind Kantonesisch und andere auch nur Dialekte.

Sprachen wie Uigurisch, Tibetisch, Mongolisch sind eigene Sprachen. Wie Französisch im Saarland.
Anders als die Dialekte sind Sprachen wie Uigurisch, Tibetisch, Mongolisch usw. eigene Sprachen. Diese haben eine andere Sprachlogik, Grammatik und eigene Schrift. Wenn diese Menschen Chinesisch lernen, lernen sie wirklich eine Fremdsprache.

Wer sich mit diesem Thema schonmal auseinander gesetzt hat, müsste eigentlich schon den Artikel bei Google gefunden haben: Unterschied zwischen Chinesisch und Kantonesisch. Auch dieser Artikel über Mandarin ist lesenswert.

Geheimnis Nr. 2: Es handelt sich um eine nicht alphabetische Sprache: Die Basis der Sprache sind Schriftzeichen.

Vielen indogermanischen Muttersprachlern fällt das Chinesisch Lernen besonders schwer, weil sie sich nicht vorstellen können, wie eine Sprache ohne Buchstaben überhaupt aufgebaut werden kann. Es ist auch dementsprechend schwierig, jemandem zu erklären, wie so eine Sprache grundsätzlich funktioniert, wenn er/sie noch nie eine andere Sprache kennengelernt hat, die NICHT auf dem Alphabet basiert ist.

Ich erkläre es mit einem typischen deutschen Wort: „Fussball“. Das besteht aus „Fuß“ und „Ball“. Diese beide Wörter können auch woanders getrennt verwendet werden:

Fußball in Deutsch

Nun stellt Dir das vor: „Fuß“ wird nicht so, sondern als „足“ geschrieben, und „Ball“ wird als  „球“ geschrieben. Aber ausgesprochen wird es trotzdem „Fussball“, dann würde es so aussehen:

Fußball Deutsch Chinesisch

Nun stell Dir vor, statt „fu:s bal“ spricht man das als „zú qiú“ aus:

Fußball in Chinesisch

Und bei Chinesisch orientiert man sich immer zuerst an der Bedeutung und nicht an der Aussprache. Wortbildung fängt daher mit „Fuß“ und „Ball“ an, und nicht mit „ABCD“ an. Du kannst Wörter immer mit diesen Grundsteinen bauen, z.B. „Fußbad“:

Fußbad Deutsch Chinesisch

Oder „Korb-Ball“ (Basketball):

Basketball Deutsch Chinesisch

Das bedeutet, die kleinste Einheit ist das Zeichen, und das ist oft ein Wort an sich. Daher funktioniert Wortbildung anders als mit Buchstaben.

Wenn Dich dieses Thema noch mehr interessiert, könnte Dich dieser Artikel mit genaueren Details zur chinesischen Sprache auch interessieren.

Geheimnis Nr. 3: Chinesisch besteht aus zwei Sprachen: Eine Gesprochene und eine Geschriebene.

Wie bei Geheimnis Nr. 2 bereits erwähnt, wirst Du beim Chinesisch Lernen schnell feststellen, dass Du eigentlich zwei Sprachen lernst. Denn Du lernst einmal, wie etwas ausgesprochen wird, und Du lernst, wie das geschrieben wird. Wenn man aber vorher nicht verstanden hat, was es bedeutet, eine auf Schriftzeichen basierte Sprache zu lernen, wird man schnell überfordert.

Denn für alle indogermanische Muttersprachler, und, man kann noch auf Arabisch, Japanisch, Koreanisch… erweitern, für alle Menschen, die bisher nur kennen, dass Sprachen auf einem Alphabet basieren, dient die Schrift als Hilfsinstrument, um die Aussprache zu notieren und sie sich schließlich zu merken. Bei Chinesisch Lernen musst Du das zwangsläufig zweimal machen, denn das Gesprochene hat mit dem Geschriebenen nichts zu tun. Wer das nicht erkannt hat, wird beim Chinesisch Lernen besonders große Schwierigkeiten bekommen.

Geheimnis Nr. 4: Was Du als „Wortschatz“ kennst, gibt es in Chinesisch nicht.

Das hängt natürlich, schon wieder, mit Geheimnis Nr. 2 und 3 zusammen. Dadurch, dass die Sprache nicht auf einem Alphabet basiert ist, und dadurch, dass die Grundbausteine Schriftzeichen sind, gibt es solche Begriffe wie „Wortschatz“ in Chinesisch auch nicht. Mit den Schriftzeichen bildet man Wörter und Sätze, daher wird immer die Zeichenanzahl als Maßstab genommen. Ein Abiturient beherrscht durchschnittlich 6600 Schriftzeichen.

Damit ist aber völlig unklar, wie viele Wörter er/sie damit bilden kann. Daher ist es besonders wichtig, dass man die gelernten Zeichen besonders häufig verwendet, denn damit entstehen viele Chancen, dass man dabei neue Wörter lernt oder bildet, die ganz andere Bedeutungen haben, ohne, dass man neue Schriftzeichen lernen muss.

Geheimnis Nr. 5: Chinesisch hat keine Grammatik – keine, was Du als Grammatik kennst.

Mit der Zeit wird es Dir hoffentlich klar, dass „Sprachen lernen“ eine sehr westlich geprägte Welt ist. Denn nun begegnen wir schon wieder einem Begriff, der in Chinesisch eigentlich nicht existiert. Grammatik in Chinesisch gibt es zwar, aber die ist so unbedeutend, dass man sie beim Chinesisch Lernen erstmal ignorieren kann und sollte.

Es gibt keine Fälle, Zeitformen und alles weitere, was Du als Grammatik kennst. Daher werden Sätze meistens wie folgt gebildet:

„Du gehen kaufen Sachen?“

„Ja, ich gehen kaufen Sachen.“

Ja, das macht Chinesisch Lernen eigentlich so einfach!! Daher solltest Du Dir wirklich einmal klar machen: Das, was Chinesisch Lernen so schwer macht, hat man mit der westlichen Sprachlogik künstlich geschaffen!

Darum ist es uns so wichtig, dass Du beim Chinesisch Lernen zuerst Sprechen und Verstehen lernen sollst, bevor Du lesen und schreiben kannst.

Geheimnis Nr. 6: Singular und Plural sind Fremdwörter in Chinesisch

Ja, das geht noch weiter: Die beiden Begriffe gibt es auch nicht. Diese existieren ebenfalls nur in einer Alphabet-basierten Sprachwelt.

Es ist völlig korrekt zu sagen: 3 Apfel, 4 Baum, 5 Tag … Es gibt keinen Plural.

Nur bei Anreden kann es passieren, dass man ein Wort „们“ (men) einsetzt. Das ist aber nicht wirklich der Ausdruck von Plural, sondern dient als eine direkte Anrede, am häufigsten wird das bei einer Rede verwendet wie bei „Sehr geehrte Damen und Herren“. Das würde ich trotzdem als Ausnahme belassen, sodass das Wesentliche beim Chinesisch Lernen dabei bleibt, dass man keinen Singular und Plural lernen muss und soll.

Geheimnis Nr. 7: Chinesisch funktioniert grundsätzlich wie Lego Steine.

Nun kannst Du Dir vielleicht so einigermaßen vorstellen, dass Chinesisch Lernen auch viel einfacher sein kann. Denn ein Satz oder Wort funktioniert meistens wie Lego Steine. Die Sätze werden immer in Infinitiv- und Singular-Form verwendet, ohne Zeitformen und Fälle. Dadurch, dass es keine Buchstaben gibt, gibt es auch keine Groß- und Kleinschreibung. Die Sätze sind viel einfacher als in Deutsch, wenn Du es verstehen würdest:

chinesische Sprachlogik

 

 

Geheimnis Nr. 8: Nach der indogermanischen Sprachlogik ist Chinesisch eine Babysprache.
Die Komplexität der Sprache drückt sich mit komplizierten Wörtern bzw. Zeichen aus, nicht mit komplizierten Sätzen.

Endlich kommt alles zusammen. Diese Frage habe ich mindestens 3 mal gestellt bekommen, auch wenn es den Fragenden immer etwas peinlich war: Ist Chinesisch wirklich so eine primitive Sprache? Man kann sich ja kaum vorstellen, wie eine Sprache anspruchsvoll sein kann, wenn die Grammatik ausfällt?

Das ist auch der Grund, warum Chinesisch sowohl besonders einfach zum Einstieg geeignet ist, als auch viel Potenzial nach Oben bietet. Dadurch, dass Chinesisch nicht auf einem Alphabet basiert ist, gibt es unendlich viele Schriftzeichen, die man lernen kann. Insgesamt gibt es ca. 83.000 Schriftzeichen, die man erfasst hat. D.h., die Intellektualität eines Menschen wird nicht durch grammatikalisch komplizierte Sätze ausgedrückt, sondern mit Schriftzeichen, die die anderen nicht kennen. Je mehr Schriftzeichen man kennt, desto anspruchsvoller und intellektueller wirkt man.

Für das einfache Wort „rot“ z.B., und damit meine ich nicht „rosa“ oder „dunkelrot“, sondern einfach das Wort „rot“ gibt es unzählige Ausdrücke, und je unbekannter der Ausdruck, desto gebildeter wirkt man. Daher geht auch die Schönheit der Sprache besonders schnell verloren, wenn man versucht, von Alt-Chinesisch in eine andere Sprache zu übersetzen, da die meisten Sprachen nicht so viele Wörter für das eine zu übersetzende Wort besitzen. Dann wirkt ein Gedicht meistens blass, weil die Hälfte der Schönheit daraus besteht, die verschiedensten Wörter zu verwenden.

Geheimnis Nr. 9: Jede/r kann beliebig neue Wörter erfinden, das Wichtigste dabei: Ohne Regeln!

Ich habe in einem anderen Artikel erwähnt, dass ich beim Deutsch Lernen schonmal gesagt bekommen habe, dass ich kein eigenes deutsches Wort erfinden darf, solange ich keinen deutschen Pass besitze. Man bin ich froh, dass ich dieses Privileg nun genießen darf!

Da kann ich Dir aber was ganz Tolles berichten: Beim Chinesisch Lernen musst Du keine Angst haben, dass Du ein falsches Wort gebildet hast. Die chinesische Sprache ist etwa ein lebendes Latein. Das gibt jedem, der Chinesisch kann, die Macht, neue Wörter zu erfinden.  Die einzige Voraussetzung dafür: Du musst schon etwas Chinesisch können, sodass Du mit chinesischer Logik, und nicht mit deutscher Logik, die Wörter neu bildest.

Wir nehmen wieder ein Beispiel mit dem „Fuß“. Wenn Du jetzt versuchst, weitere Wörter mit „Fuß“ zu bilden, kann es sein, dass Dir das Wort „Fußgänger“ einfällt. Dabei funktioniert aber dieses Wort nur mit der deutschen Logik, denn das Wort „Gänger“ gibt es in Deutsch nicht, das kann nur in Verbindung mit anderen Wörtern existieren, wie „Doppelgänger“. Aber Du könntest nicht einfach sagen: Ich bin ein Gänger.

In Chinesisch gibt es natürlich schon so einen Ausdruck „Fußgänger“:

Fußgänger deutsch chinesisch

Es heißt aber nicht, dass Du kein neues Wort mehr bilden sollst, sondern, versuch erstmal, diese Sprachlogik näher kennenzulernen. Wenn Du auch ohne Chinesisch-Kenntnisse Wörter bilden willst, könntest Du auch machen, mit einer Regel: Jedes Wort muss ein eigenständiges Wort sein.

Geheimnis Nr. 10: Die absolute Korrektheit gibt es in Chinesisch meistens nicht

Das ist der Punkt, den ich nicht oft genug betonen kann: Beim Chinesisch Lernen solltest Du nicht auf Fehler achten!

Dadurch, dass es Grammatik in Chinesisch nicht gibt, ist „richtig“ oder „falsch“ oft nicht so wichtig. Fehler beim Chinesisch Lernen sind nicht wirklich Fehler, sondern ungewohnte Ausdrücke, die man als Muttersprachler selbst nicht verwendet. Selbst bei der Aussprache solltest Du nicht zu viel auf die Korrektheit achten.

Die korrekte Aussprache in Hochchinesisch beherrschen nur die wenigsten Chinesen. Denn Hochchinesisch ist auf dem Beijinger Dialekt basiert und erweitert, d.h., weniger als 1% der gesamten Bevölkerung sprechen Hochchinesisch als ihre Muttersprache. Alle anderen müssen ebenfalls Chinesisch lernen, wie Du und ich. Ja, meine Muttersprache ist auch ein Dialekt, kein Hochchinesisch. China behauptet stolz, dass insgesamt über 80% der Bevölkerung Hochchinesisch sprechen, und 92% der Städtebewohner sprechen Hochchinesisch (lt. Wikipedia). Aber die wenigsten von ihnen schaffen es, Hochchinesisch fehlerfrei zu sprechen. Das macht es vielleicht einfacher für Dich, mit Deinen möglichen Fehlern umgehen zu können.

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Nun, endlich hast Du die 10 Geheimnisse übers Chinesisch Lernen erfahren. Wenn Du jetzt Lust bekommen hast, Chinesisch zu lernen, trage Dich in unseren Newsletter ein und erhalte kostenlosen Zugang zu 30 chinesischen Sätzen und chinesischen Zahlen!

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