Mandarin oder Chinesisch: Welches Chinesisch soll ich lernen?

Unterschied zwischen Chinesisch und Mandarin

Welches Chinesisch man lernt ist wohl eine der bekanntesten Fragen, die man stellt, bevor man mit Chinesisch anfängt. Dabei taucht erstmal die Frage auf: Was ist der Unterschied zwischen Chinesisch und Mandarin? Ich wurde sogar manchmal persönlich angegriffen, da ich die Bezeichnung „Chinesisch“  dem Namen „Mandarin“ Vorziehe. Ich habe meine, für mich persönlich, sehr gute, Gründe dafür, „Chinesisch“ zu verwenden anstatt „Mandarin“, aber dazu komme ich noch.

Zuerst wollen wir noch die Frage beantworten: Was ist der Unterschied zwischen Chinesisch und Mandarin?

Chinesisch kann sehr kompliziert werden, wenn man in dieses Thema einsteigt. Während manche die Dialekte in China als eigene Sprachen bezeichnen, definieren andere diese wiederum als „Dialekte“. Den Unterschied kann man gut mit einer vergleichbaren Frage darstellen:
„Ist Schweizer Deutsch eine eigene Sprache?“

Wenn die Antwort „Ja“ heißt, dann müsste man noch viele ähnliche Fragen beantworten:

  • Ist Bayerisch eine eigene Sprache?
  • Wie sieht es mit Berliner Deutsch aus?

Was ist der Unterschied zwischen „Dialekt“ und „eigene Sprache“?

Denn in China gilt eines: Es gibt viele Dialekte, oder wie manche behaupten, viele Sprachen, aber Schrift gibt es nur eine: Chinesische Schriftzeichen: Hanzi (汉字/漢字).

D.h., ähnlich wie im Deutschen: Es gibt die Sprache „Deutsch“ und viele Dialekte, oder wenn man mag, Sprachen. Sie werden unterschiedlich gesprochen, geschrieben werden sie alle mit Deutsch. So ist es auch in Chinesisch.

Es gibt viele Dialekte / Sprachen, die sehr unterschiedlich ausgesprochen werden, und es gibt ein Schriftsystem: Chinesisch.

Der Unterschied zwischen Chinesisch und Mandarin ist daher erstmal noch nicht so wichtig. Denn ob Mandarin oder Kantonesisch, sie gehören nur zu einer der tausenden Aussprachen, die es in China gibt, und sie alle sind Chinesisch. Der einzige Unterschied liegt darin, so wie es im Deutschen das „Hochdeutsch“ gibt, gibt es auch in Chinesisch das „Hochchinesisch“, und das ist Mandarin, genau gesagt „putong hua“ (geläufige Worte / das geläufig Gesprochene). Hochchinesisch ist die Amtsprache in China, aber auch von Taiwan.

Kantonesisch ist nur einer von vielen Dialekten, die in China exisiteren. Der einzige Unterschied ist: Durch die Kolonie-Geschichte in Hongkong wird dort kein Mandarin „putong hua“ als Amtsprache gesprochen, sondern „guangdong hua“ (Guangdong ist die Provinz, der Hongkong ursprünglich gehört hatte, in Kantonesisch heißt „guangdong“ „Kanton“). Hongkong hat in der Welt eine wirtschaftlich bedeutende Postition gewonnen, daher ist die Sprache auch deutlich bekannter als z.B. Hunan hua, (Hunan Worte, Hunan ist ebenfalls eine Provinz, sowie Guangdong). Was man dazu sagen muss, auch Kantonesisch ist nicht gleich Kantonesisch, das aus Hongkong kann ganz anders sein als das aus Shenzhen, obwohl die beiden Städte direkt nebeneinander stehen.

Mit Mandarin durch ganz China

Somit wird klar was der Unterschied zwischen Chinesisch und Mandarin ist: Mandarin ist wohl die richtige Bezeichnung. Auch wenn man die Wichtigkeit von Kantonesisch betonen mag, gilt dieses nur als einer der Dialekte, die immer unwichtiger wurden. Denn Putong Hua hat sich in den letzten Jahrzehnten in China so etabliert, dass in sämtlichen Schulen, öffentlichen Einrichtungen sowie Medien ausschließlich über Putong Hua kommuniziert werden muss.

Noch dazu, und das ist der Unterschied zu Deutsch, es gibt eine Sprachprüfung für Chinesen selbst, um die Leistung in Hochchinesisch zu prüfen. D.h., wer z.B. Lehrer sein will, muss absolut perfektes Hochchinesisch (Putong Hua) sprechen, denn er / sie muss diesen Test bestehen. Das führt dazu, dass man mit Putong Hua, dieser einen Sprache, durch ganz China reisen kann. Solange man jemand trifft, der die Grundschule besucht hat, kann man sich in Putong Hua unterhalten.

Nun zum Schluss, nachdem wir so oft von „putong“ gesprochen haben, muss ich Dir ein Wort beibringen, denn es wäre zu schade, wenn Du das nicht gleich lernen würdest:

Kaffee in Chinesisch ist gleich wie in Deutsch, das heißt „kafei“, (exakt als Kaffee ausgesprochen). Und da Du jetzt das Wort „putong“ (geläufig / normal) gelernt hast, kannst Du das nächste Mal in einem chinesischen Restaurant das bestellen:

putong kafei (normaler Kaffee)

Und genieße dann das überraschte Gesicht der Kellner!

Und wenn Du jetzt noch mehr Lust bekommen hast, kannst Du gleich mit dem Kurs starten. Die ersten 13 Einheiten sind kostenlos!

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Hier kannst Du noch mehr erfahren über’s Chinesisch lernen.

6 Kommentare zu “Mandarin oder Chinesisch: Welches Chinesisch soll ich lernen?

  1. Gute Erklärung. Zu kafei – es gibt im Deutschen zwei Möglichkeiten der Betonung, auf der ersten Silbe oder auf der zweiten. Wie machen es die Chinesen?

  2. Hi Georg,

    Danke für die Blumen. Bei „Kaffee“ sollte man darauf achten, dass man in Deutsch, trotz unterschiedlicher Betonungen, zwei Wörter dafür hat: „der Kaffee“ und „das Café“. Die ähnliche Aussprache ändert nicht, dass es sich um zwei unterschiedliche Wörter handelt. In Englisch heißen sie auch unterschiedlich: coffee und café.

    Und genau so funktioniert es auch in Chinesisch. Einmal ist das Getränk, nämlich „kafei“, und die Betonung spielt keine Rolle, ob man das Wort als „Kaffee“ oder „Café“ ausspricht. Das andere, also die Location, wo man Kaffee trinken kann, heißt „kafei guan“ oder „kafei ting“, also „Kaffee Haus“ oder „Kaffee Halle“ – ein Ort, wo man Kaffee trinkt.

    Hoffentlich hilft Dir die Antwort! Du kannst gern noch weitere Fragen stellen!

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