3 wichtige Gründe zur Motivation: Warum Chinesisch lernen?

Warum Chinesisch lernen

Wir wissen alle, die Frage “warum” bringt uns zur tiefsten Motivation, die dauerhaft uns dorthin bringt, wo wir hin wollen. Bevor Du mit Chinesisch anfängst, ist es daher in der Tat sinnvoll, Dir die Frage zu stellen: Warum Chinesisch lernen?

Die Antwort zu dieser Frage kannst nur Du beantworten. Ich habe eine Reihe von Antworten gefunden, aber letztendlich bist Du der Einzige, der genau weiß, welcher Grund zutrifft. Es kann sein, dass Du zur Frage „Warum Chinesisch lernen“ keine Antwort findest, dann solltest Du vielleicht nochmal darüber nachdenken, ob Du es willst.

Ich persönlich, aus der Perspektive einer Sinologin, hätte ein paar Ideen, warum Du Chinesisch lernen KÖNNTEST, es heißt aber nicht, dass Du Chinesisch lernen “MUSST” oder “SOLLST”, denn auch wenn wir alle wissen, wie wichtig Englisch ist, kann nicht jeder Mensch Englisch. Diese Gründe sind so persönlich und einzigartig, dass man nie pauschalisieren kann.

3 Gründe zur Frage: „Warum Chinesisch lernen?“

Für diejenigen, die wenig Zeit haben, gibt es die Gründe wie folgt zusammengefasst:

  • Chinesisch ist viel einfacher, als Du denkst. Diese Sprache ist eigentlich wie eine Babysprache.
  • Chinesisch erweitert Dein Horizont
  • Mit Chinesisch stehst Du in Verbindung zu 1/4 der Menschheit, die Du vorher kaum kanntest.

Grund Nr. 1: Warum Chinesisch lernen?
Chinesisch ist wirklich eine sehr einfache Sprache – es ist, für Deutsch-MuttersprachlerInnen, eine Babysprache.

Ich weiß, es ist fast “normaler Menschenverstand” geworden, dass Chinesisch schwer ist. Wenn die erste Antwort auf „Warum Chinesisch lernen“, weil Chinesisch einfach ist – lauten sollte, würdest Du mich für verrückt halten.

Es liegt daran, dass Sprachen-Lernen selbst noch keine lange Geschichte hat. Und systematische Methoden für bestimmte MuttersprachlerInnen, um eine bestimmte andere Sprache zu lernen, gibt es zur Zeit kaum. Egal für welche Sprachenschule Du Dich entscheidest, bist Du in den meisten Fällen auf Dein eigenes “Sprachtalent” angewiesen.

Aber was ist eigentlich ein “Sprachtalent”? Das ist für die meisten indogermanischen MuttersprachlerInnen nichts anderes, als ein Instinkt, womit man versucht, die Erfahrungen mit der eigenen Muttersprache auf eine andere Sprache anzuwenden.

Daher lernen wir Französisch, Englisch oder Spanisch eigentlich nicht viel anders, als wenn wir Deutsch lernen würden. Denn diese funktionieren so ähnlich, dass man vieles “raten” kann.

Neulich habe ich jemand getroffen, der mir erzählte, dass seine “Geheimwaffe” sei, einen Satz richtig gut zu lernen, sodass er immer ähnlich konjugieren kann, wenn er neue Sätze lernt – und das hat er mit Chinesisch auch vor. Was er nicht weiß: Damit setzt er eigentlich voraus, dass “alle” Sprachen konjugieren, während Konjugation nur in den meisten indogermanischen Sprachen existieren. Genau so sind Begriffe wie Singular, Plural, Zeiten, Fälle … nicht in jeder Sprache vorhanden – zum Beispiel in Chinesisch.

Wenn man danach geht, ist Chinesisch wirklich “schwer”, denn Chinesisch hat sehr wenig Ähnlichkeiten mit Deutsch oder irgendeiner anderen indogermanischen Sprache.

Wer sich aber etwas von seinen alten Gewohnheiten befreit und einmal Chinesisch etwas “neutraler” betrachtet, wird ziemlich schnell feststellen, dass Chinesisch eine sehr einfache Sprache ist. Denn Chinesisch hat keine Grammatik – keine solche, die Du als Grammatik kennst.

Das heißt: Konjugation, Fälle, Singular/Plural, Zeiten … gibt es in Chinesisch nicht. Im Chinesischen werden einfach Wörter hintereinander gesetzt.

„Ich essen ein Stück Apfel“ heißt: Ich esse einen Apfel.

„Ein Stück Apfel essen ich“ heißt: Ein Apfel isst mich.

Auch Vergangenheitsformen gibt es nicht, man setzt einfach eine Zeit in Satz ein, die in der Vergangenheit liegt, um die Vergangenheit auszudrücken:

Ich gestern essen ein Stück Apfel.

Singular und Plural funktionieren auch einfach mit Zahlen, wenn z.B. zwei Äpfel vor uns stehen, dann sind es zwei “Apfel”. Warum sollte man noch “Apfel” ändern, wenn man schon weiß, dass es zwei sind?

So gesehen ist Chinesisch wirklich eine sehr einfache Sprache. Auch Wortbildung funktioniert ähnlich einfach: Chinesisch ist selbst das Latein für viele asiatischen Sprachen, mit dem Unterschied, dass Chinesisch noch lebt. D.h. jeder kann frei Wörter erfinden, weil sich die Wurzel der Sprache immer noch vital in der Gesellschaft täglich verändert und wächst.

Grund Nr. 2: WARUM CHINESISCH LERNEN?
Chinesisch erweitert Deinen Horizont

Wenn Du Dir vorstellst, dass Du eine TARDIS wie der Doctor Who hättest und in die Vergangenheit der Menschheit fliegen kannst, wo würdest Du hinfliegen?

Ich weiß, dass ich ins 8. Jahrhundert, in die Tang Dynastie Chinas fliegen will, und zwar nach Chang’an, das heutige Xi’an, Hauptstadt Chinas in der Tang Dynastie.

Dass die chinesische Kultur eine der ältesten Kulturen der Welt ist, weiß mittlerweile fast jede/r. Und Chang’an war im 8. Jahrhundert schon eine Millionen-Stadt, mit über 80 Botschaften aus anderen Ländern und über 100,000 Einwohnern mit Migrationshintergrund. Eine Weltmetropole in mittelalterlicher Zeit.

Aber das ist gar nicht der einzige Grund, warum ich dahin fliegen würde – denn zu dieser Zeit ist Bagdad eine genau so spannende Stadt, mit langer Geschichte und einer alten Kultur.

Ein noch wichtigerer Grund, um dorthin zu reisen, ist: Ich wäre mit meinem Chinesisch immer noch in der Lage, mich mit den Menschen dort zu verständigen: Klar, Dialekte und Aussprachen könnten Hindernisse erzeugen, aber Chinesisch ist die einzige Sprache der Welt, die seit seiner Entstehung im 11. Jahrhundert vor Christus bis heute weiter getragen und lebendig erhalten bleibt. Im 3. Jahrhundert vor Christus vereinigte Qin Shihuang (der erste Kaiser Chinas) die Schrift, Maße, Gewicht und Währung, und bis auf die Währung sind alle bis heute noch erhalten geblieben.* Besonders die Schrift ist bis auf kleine Änderungen vor 60 Jahren fast identisch geblieben.

Das bedeutet, wenn Du Chinesisch lernst, lernst Du einen Teil einer lebendigen und alten Kultur kennen, die einen Teil ihrer tausenden Jahre Geschichte durch die Sprache überträgt. Du würdest Dich nicht nur auf einem vertikalen Bereich erweitern, sondern auch noch in einem horizontalen Bereich. Wie cool ist denn das?

Grund Nr. 3: WARUM CHINESISCH LERNEN?
Mit Chinesisch stehst Du in Verbindung zu 1/4 der Menschheit, die Du vorher kaum kanntest.

Es lässt sich streiten, ob es “besser” wäre, in der eigenen Welt zu bleiben. Ich bin jedenfalls eine, die gern diese Welt verlässt, um andere Welten kennen zu lernen.

Wenn Du auch so jemand bist, dann würde Dir Chinesisch helfen.

Wir, die modernen Menschen, sind alle Konsumenten der modernen Medien. Wir leben täglich in der Informationswelt, während wir gleichzeitig nicht wirklich viele Möglichkeiten haben, um andere Meinungen zu hören.

Und wenn Du glaubst, dass Du mit deutschsprachigen und englischsprachigen Nachrichten, Filmen, Büchern, Erzählungen und Kulturen gut versorgt bist und glücklich damit bist, dann macht es nicht unbedingt viel Sinn, dass Du mit Chinesisch oder ganz anderen Sprachen anfängst. Vielleicht kennst Du den Spruch von Sheldon Cooper aus The Big Bang Theory: “It’s called comfort zone for a reason.” und das ist nicht unbedingt schlecht.

Aber ein Mensch lebt nur einmal. Wir leben in einer Zeit, die es so zuvor nie gegeben hat: Wir konnten zum ersten Mal mit unglaublich wenig Ressourcen und Aufwand zu fast jeder Ecke der Welt gelangen und neue Geschichten selbst erleben und schreiben. Und ich persönlich finde es eine große Bereicherung, wenn man die chinesische Welt kennen lernen würde.

Denn China ist nicht nur wegen seiner Kultur und Geschichte ein spannendes Land. Auch wegen seiner Gegenwart ist es eines der aufregendsten Länder der Welt.

Vor ein paar Tagen las ich eine Nachricht, dass ein “retro-Radio” in China für Schlagzeilen in der Crowd-Funding Industrie Chinas sorgte, es gewann vor allem die Herzen der 90er-Jahrgänge. D.h., “Kinder”, die 10 Jahre jünger sind als ich!

Mir ist plötzlich aufgefallen, dass ich noch die Zeit erlebt hatte, als wir kein Radio hatten.

Ich bin 33 Jahre alt, 20 Jahre lang habe ich in China erlebt, wie rasant sich eine Welt in den 20 Jahren verändern konnte:

  • Als ich 3 war, gab es nur in der Stadt Strom. Als ich 1987 meine Großeltern mütterlicherseits auf dem Land besuchte, gab es dort keine einzige Glühbirne.
  • 1987 bekamen wir unseren ersten Kühlschrank. Danach kamen die ganzen Haushalts-Kleingeräte wie Reiskocher und Wasserkocher.
  • 1988 hatten wir unseren ersten Fernseher – und das in Farbe, Schwarzweiß habe ich nur später bei Verwandten auf dem Land gesehen.
  • 1990 kauften meine Eltern die erste Foto-Kamera. In diesem Jahr trank ich meinen ersten Schluck Coca Cola.
  • 1992 kauften meine Eltern einen Video-Recorder – eine Sensation in unserer Schule, in der wir wohnten. (Meine Eltern waren beide Lehrer dort).
  • 1994 gab es Telefon bei uns zu Hause.
  • 1995 kauften wir einen VCD-Player. 1996 Karaoke-Geräte, Mikrofone und Lautsprecher und einen Kühlschrank mit Doppeltüren.
  • 1997 ging ich online und hatte meine erste E-Mail-Adresse.
  • 2000 hatte ich mein erstes Handy und meine Eltern sind beide online und haben bis heute E-mail, OICQ, Wechat und betreiben beide eigene Blogs.
  • 2008 hatte ich in Deutschland mein erstes Smart-Phone
  • 2010 hatte meine Mutter ihr erstes Smart-Phone.
  • 2013 registrierte sie sich bei Wechat, in diesem Jahr wurde sie auch eine treue Kundin von Alipay und bezahlte fast nur noch mit Handy ihre Strom- und Gasrechnung. Sie hat nie eine Kreditkarte besessen, aber sie kann sich ihr Leben ohne Mobile-Payment nicht mehr vorstellen.
  • 2015 wurde sie treue Kundin von Didi Kuaiche (ähnlich wie Uber) und Xiaozhu Duanzu (chinesisches Airbnb). Sie geht nur zum Supermarkt, wenn die Angebote dort noch besser sind, als die Online Supermärkte. Und wenn sie zum Arzt geht, verabredet sie ihren Termin mit ihrem Handy.

Und wenn ich heute in China bin – wie z.b. letztes Jahr, musste ich feststellen, dass ich diese Digitalisierung nicht mehr mitgehen kann. Teilweise bin ich nicht einmal so fit wie meine Mutter, geschweige denn meine Kommilitonen aus der Uni.

Ist es nicht unglaublich spannend, dass ein Land in den letzten 30 Jahren solche Veränderungen erlebte?

Ich hatte das Glück, das mitzuerleben. Du kannst es auch – und ja, es ist noch lange nicht zu spät, dieses Land in der Tiefe, in Deiner eigenen Wahrnehmung kennen zu lernen, nicht aus der Erzählung von anderen, nicht aus Büchern, nicht mit einer anderen Sprache, sondern dort, in Chinesisch, heute.

Und, hast Du Deine Gründe zur Frage „Warum Chinesisch lernen“ gefunden?

 

*Anfang des 20. Jahrhunderts hat China die Modernisierung wegen der Kolonie-Geschichte eingeführt. Jedoch sind die Maße- und Gewichtseinheiten aus der älteren Zeit wohl bekannt, auch wenn Bürger heutzutage andere Einheiten verwenden, kennen sie diese noch sehr gut.

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