Ist Chinesisch schwer? Wie schwer ist es wirklich?

Ist Chinesisch schwer

Es ist fast eine bekannte „Tatsache“, dass Chinesisch schwer sei. Jedoch sind viele langsam auch der Meinung, dass Chinesisch eigentlich viel einfacher ist, als man denkt. Es lässt sich bestens darüber streiten, wie schwer Chinesisch wirklich ist. Für manche sehr schwer, für manche nicht so schwer. Und wenn Du mich fragst, sage ich: Extrem einfach!

Und das sage ich nicht, weil ich Chinesisch Muttersprachlerin bin. Ganz im Gegenteil, nachdem ich Anglistik und Sinologie studiert habe, weiß ich auch, warum viele indogermanische MuttersprachlerInnen Chinesisch schwer finden. Wir haben vor zwei Jahren ein Erklärvideo produziert, um dieses Phänomen zu erklären, was genau Chinesisch schwer macht:

Kurz gefasst gibt es zwei Sachen, die Chinesisch schwer machen:

  1. Das Gesprochene und das Geschriebene Chinesisch verwenden zwei verschiedene Schriftsysteme, dabei haben sie keine Verbindung zueinander. Um lesen zu können, muss man eine „zweite Sprache“ lernen, praktisch ein Dokumentations-System, das das Gesprochene in einer ganz anderen Form wiedergibt.
  2. Die 4 Tonlagen, die sehr ähnlich klingen. Für indogermanische MuttersprachlerInnen ist es fast unmöglich, gleich am Anfang den Unterschied zu merken, geschweige denn diese zu beherrschen.

Die beiden Schwierigkeiten kommen davon, dass man versucht, Chinesisch wie eine indogermanische Sprache zu lernen, denn:

  1. Mit dem Schriftsystem ist man gewohnt, dass die Schrift ein Hilfsmittel für die Aussprache ist. Damit lernt man nicht nur, wie ein Wort wie z.B. „Ei“ geschrieben wird, sondern diese Schrift hilft einem auch, sich zu merken, wie ein Wort ausgesprochen wird.
  2. In den meisten indogermanischen Sprachen funktioniert ein Wort mit einer einzigen, oder sehr wenigen Bedeutungen. Ein Wort wie z.B. „süß“, kann nichts anders bedeuten, wenn man es hört. Dieses Wort muss nicht in einem Zusammenhang stehen. Durch ein einziges Wort wird die Bedeutung klar. Im Gegensatz dazu ist Chinesisch eine Sprache, die im Zusammenhang existiert. D.h. wenn man „tian“ hört, selbst mit der richtigen Tonlage, kann man nicht darauf wetten, was das ist. Man braucht einen Zusammenhang. Wenn man nicht „tian“ allein sagt, sondern „tian bu tian“ (süß nicht süß – eine typische Fragestellung für: Ist es süß?) dann weiß man automatisch, was das bedeutet. Und je mehr Zusammenhänge es gibt, desto einfacher wird die Kommunikation.

Das heißt: Es ist eigentlich nicht die Frage, ob Chinesisch schwer ist, sondern, wie anders ist Chinesisch von Deiner Muttersprache?

Wenn man diesen Fakt erkennt und sich von der Vorstellung trennt, Chinesisch so zu lernen, wie indogermanische Sprachen, dann wird Chinesisch ziemlich einfach zu lernen. Denn:

  1. Chinesisch hat keine Grammatik – keine, die Du als Grammatik kennst.
    Es gibt in Chinesisch keine Zeiten oder Fälle, es gibt nicht einmal Plural! Alle Wörter werden in Original-Form verwendet (Infinitiv, Singular). Das ist einer der Gründe, warum die „Dekodierung“ in unserem System für Chinesisch so gut funktioniert.
    Beispiel:
    „Ich war gestern einkaufen gegangen.“ würde in Chinesisch heißen: „Ich gestern gehen einkaufen le.“ Das Wort „le“ ist ein Zeichen dafür, dass etwas schon geschehen ist. Du setzt es ein, wenn etwas schon passiert ist. Dass es in der Vergangenheit geschehen ist, wird schon durch „gestern“ und „le“ ausgedrückt.
    Auch Plural gibt es in Chinesisch nicht. Ob einer oder zwanzig Äpfel, solange die Zahl bekannt ist, wozu braucht man noch eine Änderung am Wort? So funktioniert Chinesisch.
  2. Auch wenn es schwer zu glauben ist: Chinesische Vokabeln sind sehr einfach.
    Als ich mit Deutsch angefangen habe, fand ich die deutschen Vokabeln extrem schwierig: Woher weißt Du, dass „Broccoli“ Gemüse ist, und „Weide“ ein Baum ist? Denn ich war davon ausgegangen, dass es in Deutsch wie in Chinesisch funktionieren würde.
    In Chinesisch sind viele Nomen nach einer „Art“ benannt. „cai“ heißt Gemüse/Gericht in Chinesisch. Und ein „bai cai“ (weißes Gemüse) ist ein Chinakohl, „qing cai“ (grünes Gemüse) ist der Name für fast alle Gemüsesorten mit grünen Blättern, „jiu cai“ heißt Bärlauch, „qin cai“ ist Sellerie …
    Achtung! Ausnahmen gibt es immer, in diesem Fall sogar viele. Aber dass es so eine Reglung gibt, hilft es auf alle Fälle, Vokabeln zu sammeln.
    Auch Bäume funktionieren so: Alle Bäume heißen in Chinesisch „shu“ (Baum), ein „liu shu“ ist eine Weide, ein „yang shu“ ist eine Pappel.
    Solche Beispiele gibt es unzählige.
  3. Die Zahlen sind auch sehr einfach in Chinesisch.
    Eine der größten Schwierigkeiten bei vielen Fremdsprachen sind die Zahlen. Deutsch ist nicht unbedingt die einfachste Sprache in diesem Fall. Bis heute kann ich nicht aus „dreiundzwanzig“ ganz natürlich „23“ schreiben, weil es für mich, bis heute, immer noch zu kompliziert ist.
    Vielleicht liegt es auch daran, dass Chinesisch in diesem Fall extrem einfach ist! Denn Chinesisch hat 1 – 10, und danach kommt 11, das wird als „zehn eins“ ausgedrückt. „23“ wäre z.B. einfach „zwei zehn drei“. Das geht so bis 99, dann kommt 100 als Einheit, und die gleiche Regel gilt wieder.
  4. Fragen stellen ist sehr einfach in Chinesisch.
    Um eine Frage zu stellen, setzt man in Deutsch, oder auch Englisch, ein oder manchmal mehrere Elemente im Satz um, um die Frageform auszudrücken.
    Wir nehmen zuerst ein Beispiel mit einer „Ja/Nein“ Frage. Das bedeutet, die Antwort muss mit „ja“ oder „nein“ beantwortet werden.
    Der Himmel ist blau.     ->    Ist der Himmel blau?
    In Chinesisch setzt man in diesem Fall einfach ein „ma“ hinter dem Satz. D.h.:
    Der Himmel ist blau.     ->    Der Himmel ist blau ma?
    Auch die W-Fragen sind in Chinesisch viel einfacher. W-Fragen sind „wer / wann / wie /was / warum …“
    Ich war gestern mit Julia einkaufen.      ->   Mit wem warst Du gestern einkaufen?
    In Chinesisch würde man einfach nur das gefragte Element austauschen, da es keine Fälle in Chinesisch gibt, bleiben alle Wörter in Original-Form:
    Ich war gestern mit Julia einkaufen.      ->   Du warst gestern mit wer einkaufen?
    Solche Beispiele gibt es noch viele.
  5. In Chinesisch tendiert man dazu, im Alltag möglichst einfach zu sprechen.
    Der Satz „bu hao chi bu yao qian“ ist Dominik aufgefallen, als wir in Sanya, China, durch die Straßen bummelten. Der Satz heißt wortwörtlich: “ nicht gut essen, nicht wollen Geld“. Also, wenn es Dir nicht schmeckt, nehme ich kein Geld von Dir. Er war erstaunt, wie einfach ein Satz gebaut sein kann. Dabei sind die meisten Sätze in der Umgangssprache ähnlich aufgebaut.

Daher ist mein Fazit: Chinesisch ist einfach, sobald Du es in einem ganz anderen Blickwinkel betrachtest.

Und wenn Du nun Mut und Lust bekommen hast, probiere gleich die erste Lektion aus! Du kannst sofort danach sprechen!

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